Spazi livioRossi
(Kunsträume livioRossi)
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Ausstellungs - und Infozentrum Arte Sella.
Wo: Corso Ausugum 55-57, Borgo Valsugana (Tn).
Öffnungszeit: Mittwochs von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 16.00 Uhr bis 20.00 Uhr; donnerstags und samstags von 16.00 Uhr bis 20.00 Uhr; sonntags von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr (montags und dienstags geschlossen).
Info: (+39) 0461 751251 - (+39) 339 2099226.


Arte Sella bei den Kunsträumen livioRossi

Der Kulturverein Arte Sella hat schon seit dem Jahre 1986 den Zweck, die gleichnamige Veranstaltung von zeitgenossischer Kunst mitten in der Natur des Sella Tals (Gemeinde Borgo Valsugana, Provinz Trient) zu organisieren und zu fördern. Er leitet den Rundgang Arte Natura (Kunst und Natur); in der sommerlichen Saison organisiert er das Ausstellungszentrum auf Malga Costa (Malga Alm) und die Veranstaltung bei der Cattedrale Vegetale (Planfkathedrale), dem imposanten von Giuliano Mauri errichteten Werk, das sich auf der Alm befindet.

Neben der gewöhnlichen Aktivität des Vereins hat sich in den letzten Jahren ein dickes Verbindungs- und Mitarbeitsnetz mit Persönlichkeiten der Musik-, Theater-, Fotos- und Kulturwelt in ihrer verschiedenen Disziplinen (Architektur, Design, Landschaftskunst, Film, Kunsttherapie, Sammeln u.s.w.) entwickelt. Noch dazu ist Arte Sella oft als Gelegenheit, Raum, Experimentmöglichkeit und kulturelles Wachstum angesehen, was vom kulturellen und künstlichen Hintergrund eines zeitgenossischen Kunstpfads gefördert wurde.
Neben den oben erwähnten Aktivitäten im Sella Tal hat der Verein im Laufe des Jahres 2006 die Leitung eines neuen Raumes in der Altstadt von Borgo Valsugana erprobt. Dieses in der Hauptstrasse liegende Gebäude ist vom großen architektonischen und kulturellen Wert, da es schon am Anfang des 19. Jh. Sitz einer antiken Bücherei und einer Kunstwerkstatt war.

Arte Sella ist dem Wunsch der heutigen Besitzer nachgekommen, die diesen Raum auch zugunsten der Gemeinschaft erschließen wollten. So wurde die Herausforderung angenommen, diesen Raum zu beleben, da er schon an sich verschiedene Anlässe und Möglichkeiten bietet. In dieser Hinsicht werden die Spazi Livio Rossi (Räume Livio Rossi) zum von Arte Sella veranstalteten Dauerausstellungszentrum; zum Verwaltungs- und Leitungssitz von dem Verein und zum Infozentrum zur Verfügung der Studenten, die die Geschichte und die Aktivitäten der Veranstaltung aus verschiedenen Gesichtspunkten besser kennen und vertiefen möchten. Da kann man sich nämlich nicht nur mit den dokumentarischen Materialien auseinandersetzen, die in den Jahren von dem Verband herausgegeben worden sind, sondern auch mit den reichhaltigen und ständig wachsenden Katalogen und Fachveröffentlichungen, die in den Jahren gesammelt worden sind.
Noch dazu ist es bei jeder Gelegenheit möglich, den Raum mit Treffen, Debatten, Vorlesungen, Eventsvorstellungen, musikalischen Vorträgen zu beleben.
Im oberen Stockwerk finden die kreativen Werkstätte für Kinder und Erwachsene statt, die von der Associazione triFOLIUM veranstaltet sind. Diese organisiert schon lange her die didaktischen Unternehmungen von Arte Sella: Es werden hier verschiedenartige Vorschläge angeboten, die sich mit dem gemeinsamen Projekt von Arte Sella verbinden und die die verschiedenen künstlichen, kreativen, literarischen, historischen, und technischen Bedürfnissen der Besucher aufnehmen und verwirklichen.



Spazi livioRossi: die Vergangenheit

Das Wohnhaus gehört der Familie Rossi und liegt in Corso Ausugum, in der Altstadt von Borgo Valsugana. Es hat eine lange und faszinierende Geschichte, bei der jede Familiegeneration im Stande war, diesen Raum in einen Sitz für die eigenen Aktivitäten, Interessen und Leidenschaften zu verwandeln.
Familie Rossi kommt in Borgo Valsugana am Ende des 19. Jahrhunderts an, als Mario Rossi, Großvater des heutigen Besitzers von dem Wohnhaus, Ivo Rossi, entscheidet, eine eigene Tätigkeit dort zu gründen. Mario, der aus einer antiken Seidenhändlerfamilie aus Parma stammt, die aber schon im 18. Jh. in Trient niedergelassen hat, entscheidet in Borgo Valsugana ein eigenes Warenhaus zu eröffnen, nachdem er als Verkäufer bei dem Warenhaus Chesani in Trient gearbeitet hat. Die Wahl der Lage ist strategisch, weil sie Mario erlaubt, die Märkte von Bassa Valsugana, Tesino, Vanoi und Primiero zu erobern. Dorthin reitet er auf seinem Pferd zusammen mit seinen Beschäftigten, um Bestellungen zu erhalten und Waren zu verkaufen.
Zur Zeit des ersten Weltkrieges ist ein Stillstand in der Handelstätigkeit eingetreten, da Mario Rossi Wehrdienst bei der österreichischen Armee leistet und seine Familie nach Piemonte evakuiert. Das Wohnhaus wird inzwischen von der österreichischen Armee besetzt.
Am Ende des ersten Weltkrieges, nimmt Mario Rossi seine Tätigkeit in den Zwanziger Jahren wieder auf und er führt sie in den Dreißiger Jahren zu höchster Blüte. Zu dieser Zeit entwickelt sich die kreativste Phase Marios Arbeit: Er eröffnet nämlich eine Stuhlwerkstatt. Er zeichnet die Stühle selbst und baut sie mit neuen Maschinen, die er selbst aus Deutschland importiert hat. Diese Stühle verstehen sich als neue, künstliche Objekte, die großen Erfolg haben. Si werden nachgefragt und in die italienischen Kolonien in Afrika exportiert. Im Wohnhaus sind einige von diesen ursprünglichen Stühlen, zusammen mit den Bauplänen und mit der Dokumentation der Handelstätigkeit noch heute aufbewahrt.
Am Anfang des Zweiten Weltkrieges tritt ein Stillstand in der Handelsbeschäftigung wieder ein, da Livio Rossi, Marios Sohn, der seit einigen Jahren zusammen mit seinem Vater das Kaufhaus und die Werkstatt leitet, zum Wehrdienst einberufen wird.
Am Ende des Krieges führt Livio nach dem Tode von Mario Rossi die bisherige Handelstätigkeit der Familie fort. Ihm gelingt aber eine Wiederbelebung der Tätigkeit nicht. Diese kann nicht mehr zu ihrer alten Blüte heranwachsen, da es zu dieser Zeit ein Marktbedarf nicht mehr erkenntlich ist. So hat er am Ende der Sechziger Jahren seine Werkstatt geschlossen.
Im Gegenteil zu seinem Vater ist Livio kein mutiger Händler und Unternehmer, sondern ein leidenschaftlicher Geistwissenschaftler, der das Studium und die Recherche besonders liebt. So verwandelt sich seine Werkstatt in Anhaltspunkt für die Kultur- und Kunstliebhaber. Livio führt die Handelstätigkeit fort und arbeitet immer noch in seinem Kaufhaus, aber er widmet sich zugleich seiner großen Liebe: dem Exlibris. Die Liebe zu diesen Objekten führt ihn zur Welt der Künstler und Sammler von diesem Genre, bis er ein weltweites Kontaktnetz, besonders mit Osteuropa und mit Russland, knüpft. Der Briefwechsel und der ständige Austausch von Informationen und Materialien mit einigen russischen Kunstliebhabern ist so intensiv, dass der 80-jährige Livio damit anfängt, die russische Sprache zu lernen, um mit ihnen besser zu kommunizieren.
Heutzutage bewahrt das Wohnhaus die ganze Sammlung von 5000 Exlibris auf, die Livio Rossi selbst in Karteien aufgenommen hat, die nach ihrem Herkunftsland eingeteilt sind.



Spazi livioRossi: die Gegenwart und die Zukunft

Statt die Handelstätigkeit seiner Vorfahren fortzusetzen, entscheidet der Sohn von Livio, Ivo, einen anderen Weg zu gehen: Das Wohnhaus wird in den letzten Jahren vermietet und er beherbergt einige Geschäfte, deren Besitzer familienfremd sind.
Heute ist der Wunsch von Livio Rossi, dem Wohnhaus eine kulturelle Seele wiederzugeben, um einer Tradition zu folgen, die in den Jahren weitergegeben worden ist.
Der Ausgangspunkt von diesem neuen Projekt kann nicht anders sein, als die Wiedergewinnung des Gedächtnis von einem Ort, der viel zu erzählen hat, zusammen mit den Leuten die ihn belebt und erlebt haben.

Dieser Wunsch stimmte mit den neuen Bedürfnissen des Vereins überein, die sich in den letzten Jahren zu einer Ausdehnung der kulturellen Interessen entwickelt haben, in der Hoffnung sowohl zu der Aufwertung der Altstadt von Borgo Valsugana als auch zu der Einbeziehung eines aufmerksamen und neugierigen Publikums beizutragen.

Noch dazu wird hiermit eine alte Beziehung wiederhergestellt: Der Verband erinnert sich mit Zuneigung daran, dass Livio Rossi, damals Vorsitzender des Verbandes “Amici di Borgo“, zur Geburt von Arte Sella, dem erstgeborenen kulturellen Projekt „rechtliche Betreuung“ gab. Er nahm vertrauensvoll und aufgeschlossen das Projekt auf und bestätigte damit noch einmal seine Weitsicht und seine Intelligenz.
Daher auch die Auswahl des Namens, der Huldigung und Zeichen der Dauer von einer Beziehung sein soll, nicht nur zu einem Menschen, sondern auch zu seiner Art und Weise zu leben und zur ganzen Gemeinschaft zu gehören.
Die Absicht des Vereins Arte Sella ist also, den Ausstellungsraum mit zeitgenössischer Kunst- oder Fotografieausstellungen zu charakterisieren und zugleich auch die Aufwertung des Gedächtnis von dem Ort wiederzugewinnen und die Aufmerksamkeit auf die Umgebung zu lenken, sei es als Natur, als historischer Hintergrund oder als Gemeinschaftsleben zu verstehen.

Es ist demnächst eine Ausstellung vorgesehen, die an die Tätigkeit in der Stuhlwerkstatt erinnern soll, zusammen mit den von dem Besitzer handgezeichneten Katalogen und Bauplänen, mit den noch existierenden Prototypen und mit anderen antiken Möbeln, die den Inhalt und den Sinn der Ausstellung bereichen.

Es ist noch eine Ausstellung über die Exlibris vorgesehen, die sowohl die Anzahl und die Fülle von der Sammlung aufwertet, als auch den Umfang der Austäusche, die sie ahnen lässt und nicht zuletzt den ästhetischen und künstlichen Wert von einigen Stücken.

Ein Teil der aufbewahrten Materialien wird zur Verfügung eines Publikums von Kunstliebhabern und Sammlern gestellt.


Events und Ausstellungen im Terminkalender